Gehalt: Was verdienen Community Manager?

Vor circa einem dreiviertel Jahr schrieb ich einen Rant über das – leider niedrige – Gehalt von Community Managern. In meiner Suchanalyse zeigt sich, dass dieser Beitrag den Nerv vieler trifft. Er ist dadurch zu einer meiner bestbesuchten Seiten geworden. Wer auf der Suche nach Gehaltsniveaus für Community Manager ist, möchte aber nicht nur eine Glosse lesen! Dieser Leser hat es verdient, eine klare Übersicht über Möglichkeiten und Grenzen der Bezahlung von Community Management zu bekommen. Daher mache ich hier etwas, das in Deutschland eher unüblich ist: Ich rede über die genauen Summen. Im Anschluss gebe ich praktische Handlungsempfehlungen für die eigene Karriere.

Zunächst ist festzustellen, dass das eigene Gehalt immer vom jeweiligen Kontext und dem eigenen Verhandlungsgeschick beziehungsweise Auftreten abhängt. Nichtsdestotrotz lässt sich beides zu einem gewissen Grad beeinflussen. Gleichzeitig stellen sich Community Managern so einige Hürden in den Weg, von denen einige real und andere leider oft eingebildet sind. Sie halten damit unbewusst vom eigenen Aufstieg ab. Um welche Mythen geht es genau?

Mythos 1: Kenntnis gleich Knete

Vor allem Frauen – aber nicht nur – sind von diesem Mythos besessen. „Wenn ich nur gut genug bin, dann wird das auch anerkannt werden!“ lernen wir in Schul- und Unisystem. Das erklärt, warum Frauen den Großteil der Studierenden in den Bereichen Kommunikation, Marketing, etc. ausmachen. Dieser Anteil reflektiert aber nicht in die Führung, wenn sie erst im Job angekommen sind. Nach den letzten Zahlen und meinen Beobachtungen zu urteilen, sind in unseren Metiers circa 50 % der Führungspositionen von Frauen besetzt.

Gute fachliche Kenntnisse zu haben reicht nicht aus. Nur wer sich selbst und die eigene Vision den Verantwortlichen adäquat präsentiert, wird auch wahrgenommen. Dazu zählt, pfiffige Ideen zum passenden Zeitpunkt ins richtige Ohr zu flüstern.

Mythos 2: Aufstieg gleich Gehaltssteigerung

Schilderungen klassischer Karrieren haben uns gelehrt, dass mit neuen Jobtiteln und Verantwortungen höhere Entlohnung zu erwarten sind. Dem ist gerade im Community Management oft nicht so. Ich habe es mehrfach erlebt, dass ein „Senior“ im Titel nur zur Ruhigstellung des Mitarbeiters vergeben wurde. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Rolle vorrangig in Startups und Agenturen eingerichtet ist.

Alternativ übernahmen Kollegen die Betreuung von (mehr) Personal. Team Lead mit dem entsprechenden Gehalt war allerdings oft der Marketing- oder PR-Verantwortliche.

Mythos 3: Nachwuchskräftemangel gleich Verknappung

In Deutschland herrscht Nachwuchsmangel, heißt es oft. Es fehle an gut ausgebildetem Personal. Diese Aussage ist für Community Management mit einem vorsichtigen Jein zu beurteilen. Warum? An jobhungrigen, allgemein gut gebildeten Leuten mangelt es sicherlich nicht. Ich selbst habe ausgebildet und würde behaupten, dass ich jeden Geisteswissenschaftler innerhalb von einem halben Jahr in einen gut agierenden Community Manager verwandeln kann.

Woran es fehlt, sind Menschen, die den Job mit echter Leidenschaft, eines nachhaltigen Vision und der komplementären Unterfütterung mit Zahlen machen. Dies schlägt sich in der Gehaltsverteilung nieder. Einer großen Masse an CMs mit Durchschnittsgehältern und Routineaufgaben stehen wenige Fach- und Führungskräfte und kenntnisreiche Spezialisten aus anderen Bereichen gegenüber. Mit diesen konkurrieren Community Manager um die Entlohnung.

Generell nehmen Stellengesuche zu Community Management zu. Ob sich dahinter aber wirklich die Tätigkeit verbirgt, oder ob die Bezeichnung aus Mangel an Wissen gewählt wurde, ist von außen nicht einsehbar.

Mythos 4: Nord-Süd- und West-Ost-Gefälle

Dieser Mythos ist leider wahr. Community Manager im Süden und Westen verdienen mehr als ihre Kollegen im Norden und Osten.

Mythos 5: mehr für Männer

Auch hier lässt sich kurz und knapp festhalten, dass männliche Community Manager mehr für sich herausholen. Insgesamt ist die Führungsratio zwar recht ausgeglichen, Frauen sind jedoch tendenziell mit niedrigeren Einstiegsgehältern zufrieden.

Mythos 6: Startup & Agentur gleich poor

Wenn die Medien von Arbeitsbedingungen in Startups und Agenturen berichten, entwerfen sie nicht selten Bilder von geknüppeltem und unterbezahltem Personal. So schlimm ist es nicht, aber ein bisschen Wahrheit steckt drin. Eine vor kurzem veröffentlichte Studie von gehalt.de und Gründerszene zeigt auf, dass Mitarbeiter in klassischen Unternehmen bessere Karten haben. https://www.gruenderszene.de/wp-content/uploads/2018/06/Startup-Studie-2018.pdf

Ein Community Manager in einem Startup oder einer Agentur hat als von vornherein eine schlechtere Ausgangslage als der Marketeer im Konzern. Obwohl die meisten Stellen nicht dort angesiedelt sind, findet aktuell eine Verschiebung statt. Vom Innovationscluster, Konzern (internes Community Management) bis hin zum Verein – immer mehr Organisationen suchen nach Verstärkung in der Mitgliederaktivierung.

 

Wie sieht es nun also wirklich aus? Es gibt viele Stellen, aber trotzdem wenige Gehalt? Es gibt nur bei den großen Unternehmen wirklich was zu holen? Im Folgenden gebe ich einen Überblick über die aktuelle Situation. Alle Zahlen basieren auf Austausch mit Fachkollegen, Rückfragen bei Unternehmen und Angaben in Stellenanzeigen. Was mir dabei wichtig ist: Bloß, weil diese Gehälter üblich sind, heißt das nicht, dass man sie nicht ändern könnte oder wollte.

 

Welches Gehalt bekommt der Praktikant im Community Management?

Hier teilt sich die Bezahlung in verpflichtendes Praktikum und freiwilliges Praktikum auf. Für ersteres darf bis zu einem Zeitraum von 3 Monaten auch nichts gezahlt werden.

0 – 800 Euro/Monat

Fairnessfaktor: bei 0 nicht fair, bei 800 Euro angemessene Entlohnung

Ausblick: wird vorerst so bleiben

Welches Gehalt bekommt die Volontärin / Trainee im Community Management?

Entscheidet sich die zukünftige Community Managerin für die Option, ein Volontariat oder Traineeship zu absolvieren, sind die Gehaltsunterschiede gering. Volontariate dauern in der Regel weniger lang als in Unternehmenskommunikation und Redaktion. Von 6 bis 18 Monaten ist alles möglich. Früher waren durchaus 500, 1.000 oder 1.200 Euro üblich. Mit dem Mindestgehalt hat sich das geändert. Seitdem habe ich auch weniger Traineeships ausgeschrieben gesehen.

1.500 – 2.000 Euro/Monat

Fairnessfaktor: gering, da Trainees im Community Management viel Verantwortung übernehmen

Ausblick: Tendenz zur Abschaffung von Volos, hin zum Junior Manager

Welches Gehalt bekommt der Junior Community Manager?

Mit oder vorherige Fachausbildung – Junior Community Manager steigen im Allgemeinen tief ein. Es besteht ein fließender Übergang zum Trainee.

2.000 – 3.000 Euro/Monat

Fairnessfaktor: gering

Ausblick: wenig Bewegung nach unten oder oben

Welches Gehalt bekommt die Social Media Managerin?

Social Media Manager sind, zumindest auf den sozialen Medien, häufig mehr in die Strategie eingebunden. Daher sind die Gehälter höher, aber auch die Spanne breiter. Wer sich spezialisiert, auf Bereiche wie Anzeigenschaltung und Redaktion, kann mehr herausholen.

2.000 – 4.500 Euro/Monat

Fairnessfaktor: schwankt, bessere Standardisierung im redaktionellen Bereich

Ausblick: Zunahme der Spezialisierungen und der Überschneidungen mit anderen Bereichen wie Fachredaktion und Performance Marketing

Welches Gehalt bekommt die Senior Community Managerin?

Gerade im „klassischen“ Community Management auf der eigenen Plattform und in der Offline-Mitgliederbetreuung haben sich die Gehälter in den letzten Jahren extrem aufgefächert. Mit zunehmender Erfahrung und Spezialisierung auf einen Teilbereich können CMs viel mitnehmen,

2.000 – 4.000 Euro/Monat

Fairnessfaktor: schwankt

Ausblick: Übernahme der Berufsbezeichnung durch verwandte Bereiche, Steigerung vor allem dadurch möglich

Welches Gehalt bekommen Team Lead, Head of, Directors und CCOs?

In jungen Startups können Führungskräfte mit sehr wenig anfangen. Eine Leitungsposition unter 50.000 Euro kann als Unterbezahlung bezeichnet werden.

Ab 3.500 Euro/Monat, meist zwischen 3.750 und 6.000 Euro/Monat

 

Wie erreiche ich mehr Gehalt für mich?

Wie gesagt, jede Situation ist einzigartig. Mit der Zeit haben sich für mich jedoch einige klare Handlungsempfehlungen ergeben. Sie lauten folgendermaßen:

  • die richtigen Kenntnisse fördern

Empathie, eine gute Schreibe und das Zertifikat vom IHK-Kurs sind gut und schön. Wirklich begehrt sind aber Analysefähigkeiten (Google Analytics, Excel, etc.), Strategieentwicklung, journalistisches Schreibniveau, Anzeigenschaltung und Verhandlungsfähigkeit.

  • Wissen über den Tellerrand hinaus

Wer aufsteigen will, sollte sich vielleicht weniger als Community Manager als vielmehr als Kommunikationsexperte oder Online Marketer begreifen. Viele Führungspositionen gehe an Fachnahe und das oft, weil sie das ganze Paket mitbringen.

  • Auftreten und Selbstbewusstsein

Entscheidungsfähigkeit ist in jedem Führungsjob gefragt. Im Community Management braucht man das umso mehr als dass wir tagtäglich viele unvorhersehbare Entscheidungen treffen müssen. Wer das dann nicht nur auf dem Bauchgefühl begründet, sondern in den Zahlen fundiert, bekommt entsprechende Anerkennung.

  • Netzwerk

Ob intern oder extern – die richtigen Menschen kennen und zum passenden Zeitpunkt aktivieren zu können, ist unerlässlich.

  • Ideen zur richtigen Zeit

Wenn ich mit Kollegen spreche, fällt mir oft auf, dass sie voller innovativer Ideen stecken. Dass diese keine Umsetzung finden, liegt an der Platzierung. Seine Vision ins richtige Ohr zur richtigen Zeit zu flüstern kann einen egwaltigen Unterschied machen. Oft kommt hinzu, dass Konzepte, die im CM schon seit langem bekannt sind, von anderen Abteilungen wie Epiphanien behandelt werden. Also: Sich nichts klauen lassen!

  • Verhandlungsgeschick

Nach dem Lesen dieses Artikel kann jeder einschätzen, wie viel herauszuholen ist. Dazu am besten noch 30 % aufschlagen, und fertig ist die Verhandlungsgrundlage. Nach der Marktsituation zu urteilen, sind Wechsel leichter möglich als man denkt. Und in einer Firma arbeiten, die die eigene Leistung nicht angemessen honoriert, will man doch eh nicht. Das kann der Chefin getrost bewusst sein.

 

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Kennt ihr Ausreißer nach oben oder unten? Kontaktiert mich und erzählt mir davon!

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