Community Manager Gehalt: Geld ist nicht das Wichtigste?

Berlin, wir müssen reden. So kann es nicht weitergehen. Egal, mit wem ich rede – und meine eigenen Erfahrungen unterstreichen das -, ich bin immer wieder geschockt von den Gehaltsangaben. Community Manager sind ein eingeschworener Verein von Mittel- bis Geringverdienern. Haben sie das verdient? Nein.

Aber zum Anfang. Als ich in München mit 25.000 € Jahresgehalt anfing, erschien mir das als Arbeiterkind und frisch Graduierte wie eine angemessene Entlohnung. Währenddessen erhielt meine Studienkollegin 40.000 € Einstiegsgehalt plus Bonus. Man darf ja noch träumen. Über die Jahre habe ich mich hochgeangelt, kann aber immer noch nicht behaupten. in der obersten Liga mitzuspielen. Mit meinem aktuellen Gehalt bin ich überhaupt erst einmal zufrieden. Im Gegensatz zu vielen Kollegen, die bei Gehaltsleveln herumkrebsen, die unter dem Niveau einer Rechstanwaltsgehilfin liegen (ja, ich habe ein konkretes Beispiel als Vergleichgrundlage!).

In Berlin ist die Lage besonder prekär. Gehälter sind notorisch niedrig, obwohl die Mietpreise seit Jahren explodieren. Dabei bringen Community Manager viele Eigenschaften und Erfahrungen mit, die in anderen Bereichen sehr gut entlohnt werden. In meinem Fall zum Beispiel bin ich journalistisch tätig und mache Marketing. Beides wird unabhängig voneinander auch in Berlin ordentlich bezahlt. Gehälter ab 50.000 € sind keine Ausnahme. Bringt man diese Kenntnisse als CM zusammen, sollen es auf einmal 40.000 sein? Und das mit Führungserfahrung? Ein Fachkollege erzählte sogar einmal von einem großen und bekannten Unternehmen, das einem Social Media Team Lead 30.000 € zahlen wollte. Berlin, geht’s noch?

Ich ärgere mich. Und ich fordere alle Kollegen auf, sich mich mit zu ärgern und keine geringen Gehälter zu akzeptieren. Nur, wenn wir zusammenhalten, können wir unserem Berufstand die notwendige Achtung verleihen, die er benötigt. Dieser Aufruf geht auch an die Content Manager, die weniger bekommen als Journalisten. An die Social Nerds, die wegen der jungen Identität des Berufes nicht ansatzweise an die Printmarketer heranreichen. An die SEOler, deren Arbeit „kein Budget braucht“ (höhö) und die wegen ihren Content-Orientierung nicht entlohnt werden wie Performance Marketer. An die Volontäre, „Trainees“ und Juniors, die trotz mehrjähriger Ausbildung, Sprachkenntnissen und Schreibkompetenz noch nebenher Geld heranschaffen.

Ok, das war natürlich nicht ganz ernst gemeint. Wer aus dem Studium heraus ist und als verkappter Geisteswissenschaftler Öppis machen muss, ist froh über 30.000 im Jahr. Die Literaturwissenschaftlerin oder der Historiker werden den Job annehmen. Aber bitte schaut darauf, in den kommenden Jahren gut zu verhandeln! Und vertraut NICHT auf Gehaltstabellen im Netz. Ihr könnt mehr bekommen! Dieser Aufruf geht an insbesondere an die Frauen.

Und liebe Arbeitgeber, glaubt ihr wirklich, dass ihr gute Arbeit bekommt, wenn ihr einer Spokesperson zu wenig zahlt? Wenn derjenige, der ständig Kontakt zu Kunden und Mitglieder hat, angeblafft und beleidigt wird, mit seinem Geld keine Erholungsmöglichkeiten nutzen kann? Ich glaube nicht. Geld ist nicht alles und macht auch nicht glücklich. Aber es schafft Plaungssicherheit. Es erhält Loyalität, wenn man wegen schlechter Atmosphäre, häufigen Kollegnwechseln und fehlendem Werkzeug schon längst innerlich gekündigt hat. Vielleicht glaubt ihr ja, dass CMs auf Bäumen nachwachsen. Kann sein. Für Juniors mag das zutreffen. Aber ich kann euch garantieren, dass die Kollegen, die es wirklich draufhaben, dann nicht bei euch bleiben. Sie werden Marketer oder Journalisten werden. Oder auf ein Konkurrenzangebot eingehen. Oder sich selbstständig machen. Und sich vom verdienten Geld einen wundervollen Urlaub gönnen. Ich bin dann auch mal in den Ferien. Ta daaaa!

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