Was sind Developer Relations?

Mit dem Konzept der Developer Relations kam ich zum ersten Mal im Frühjahr 2018 in Kontakt. Diese Tatsache finde ich rückblickend höchst erstaunlich. Schließlich hatte ich mich bis dato intensiv mit allen Formen des Community Managements auseinandergesetzt.

Schaut man sich das Feld genauer an, wird der Grund für die späte Kenntnisnahme klar. Developer Relations haben in den letzten Jahren Vorzeigeprojekte für exzellentes Community Management hervorgebracht. Die Initiative kommt aber zum überwiegenden Teil aus dem Development und streift die CM-Fachszene daher kaum.

Was Developer Relations auszeichnet

Developer Relations Manager – oder DevRel-Manager für kurz – sind meist selbst Programmierer. Was sie für die Tätigkeit besonders auszeichnet, ist ihre kommunikative und redaktionelle Fähigkeit. DevRels sind geborene „People Persons“ und das zeigt sich in ihrer Arbeit. Ob auf Events, Stammtischen oder in Mails, DevRels zeigen Empathie, Wärme und Fürsprache für ihre Entwickler-Community.

Wer selbst programmiert oder Software nutzt, weiß, dass sich viele Projekte ausschließlich über Gemeinschaftssinn realisieren lassen. Open Source wäre ohne den unermüdlichen Einsatz von Freiwilligen nicht möglich. Das hat die Developer-Community geprägt. Von Unternehmen und deren Outreach erwartet sie, dass kontinuierliches Lernen und der Sharing-Gedanke oberste Priorität haben. Nichts anderes sagt das Agile Manifest: Menschen vor Prozessen.

Definition von Developer Relations

Was sind Developer Relations nun? Welche Aufgabe und Zielsetzungen haben DevRels? Und wie setzen sie das um?

Developer Relations bezeichnet alle Strategien und Maßnahmen für die Bindung von Entwicklern an ein Unternehmen oder eine Organisation und deren Vernetzung untereinander.

Developer Relations ist nicht die einzige Bezeichnung für die Tätigkeit. Andere Namen sind:

  • Developer Relations
  • Developer Advocacy
  • Developer Engagement
  • Developer Evangelism
  • Platform Evangelism

Trotz der unterschiedlichen Benennung haben sich konkrete Standards etabliert. So ist anerkannt, dass Developer Relations nie nur einer einzigen Disziplin zugeordnet werden können. DevRel ist transdisziplinär, und das in mehrfacher Hinsicht.

Der transdisziplinäre Charakter

Mit dem marketing- und kommunikationsorientierten Community Management, wie wir es aus der Fachszene kennen, besteht eine große Überschneidung. User an ein Unternehmen zu binden, Loyalität zu fördern und Interaktionen zu erzielen sind Säulen im Handwerk jedes Community Managers.

Gemeinschaftliches Lernen zu fördern und nachhaltigen Einfluss auf die persönliche Entwicklung der Community-Mitglieder zu nehmen ist im Corporate Community Management und in dezidierten Lerncommunities ein Thema.

Aufgaben der Developer Relations

Dazu kommen weitere Disziplinen. Die folgende Liste ist umfassend, aber je nach individueller Ausprägung ausbaubar:

  • Community Management
  • Event Management
  • Kommunikation / Spokespersonship
  • internes Consulting (Feedback)
  • Technische Dokumentation & Redaktion
  • Co-Learning (Erwachsenenpädagogik)
  • Programmieren
  • Repräsentation (Events, Stammtische, etc.)
  • Speaker-Rolle / Demonstration

Die Bedeutung des Vor-Ort-Einsatzes ist an dieser Stelle besonders zu unterstreichen. Entwicklercommunities definieren sich trotz ihres tagtäglichen digitalen Umgangs stark über persönliche Verbindungen!

Ziele und Abgrenzung

Ziel all dieser Maßnahmen ist es, Produkte und Angebote zu erklären und die Community zu aktivieren. Programmierer sollen als Anwender nah am Unternehmen sein und in bilateralen Beziehungen von der engen Bindung profitieren. Es geht darum, Hilfe zu geben, zu eigener Initiative anzuregen und die Community zu verknüpfen.

Was Developer Engagement in keinem Fall beabsichtigt, sind Vertrieb und Marketing. Darum kümmern sich andere Verantwortliche, mit differenzierenden Strategien und Methoden.

Der Wert von Developer Relations

Das Konzept des Plattform-Evangelismus verdeutlicht es gut. Nehmen wir das Android-System: Developer sind darauf angewiesen, dass sich dieses Plattform als reichweitenstark durchsetzt. Wenn viele Nutzer Android-Handys besitzen, ist die Wahrscheinlichkeit einer exzellenten Vermarktung und damit Monetarisierung einer App hoch.

Andererseits braucht das Android-Ökosystem die Developer, egal ob selbstständig oder im Auftrag von Unternehmen. Ohne ihre Apps gäbe es keine Vielfalt, womöglich sogar keine Auswahl, für Nutzer. Hier geht es um eine typische Henne-Ei-Situation: Beide Seiten brauchen einander.

Was ein Plattform-Anbieter in Developer Relations steckt, lässt sich daher nicht gut an Vertriebszahlen messen. Der ROI ist aber immens. Loyalität und Begeisterung für eine Marke ist unbezahlbar.

Eine hohe Anzahl namhafter Unternehmen haben beachtliche DevRel-Teams aufgebaut, darunter Google, Microsoft, IBM, Apple, Spotify und SAP. Bei Startups, die viel mit externen Developern zusammenarbeiten, ist aktuell ein ähnlicher Trend zu beobachten.

Unternehmen, die nicht notwendigerweise Outreach betreiben, profitieren in anderer Hinsicht von DevRel. In einer Zeit, in der Entwickler auf dem Arbeitsmarkt Mangelware sind, orientieren sich viele Employer-Branding-Verantwortliche um zu einer Beziehung mit mehr Teilhabe.

Community Manager und tech-orientiert? Chance!

Für Community Manager aus den „klassischen“ Orientierungen kommt die Frage auf: Muss ein DevRel Programmierer sein? Sie ist nicht eindeutig zu beantworten.

Viele Firmen stellen klar, dass für sie nur Menschen mit mittlerer bis tiefgehender Entwicklungserfahrung für die Rolle in Frage kommen. Anderen wiederum ist ein technisches Mindset und das Verständnis für die Herausforderungen und Prozesse von Programmierern wichtiger.

Das hängt auch ein wenig von der Schwerpunktsetzung ab. Mit Developer Developer Advocacy war ursprünglich die Repräsentation der Entwicklercommunity im Unternehmen und umgekehrt gemeint. In solchen Jobs sind Programmierkenntnisse oft unabdingbar. Developer Relations bezeichnen die Community-orientierteren Maßnahmen. Hier setzen Arbeitgeber nichtsdestrotrotz voraus, dass sich Kandidaten in Entwickler hineinversetzen können.

Interessanterweise nimmt die Anzahl der Stellen zu, die Programmieren explizit nicht als Voraussetzung listen. Daraus ergeben sich neue Karrieremöglichkeiten für Community Manager. Sie bieten aber vielmehr die Chance, in die Welt der Programmierung einzusteigen. Wer wie On-Domain CMs bereist knietief im Produktmanagement ist, wird in mehr als einer Hinsicht von neuen Kenntnissen profitieren.

Ausblick

Im Moment existieren wenige Verbindungen zwischen Community Management in der Marketing-orientierten Form und dem DevRel. Die englischsprachige Welt ist bereits einen ganzen Schritt weiter. Einer der prominentesten DevRel-Newsletter wurde beispielsweise von einer Nicht-Entwicklerin mitbegründet.

In diesem Blog wird in den nächsten Monaten ein Schwerpunkt auf DevRel und dessen Ressourcen gesetzt. Wir alle können (und sollten!) voneinander lernen.