Die richtige Forum-Software: Foren- und Community-Systeme

Als Community Manager kommt man mit so einigen Systemen in Kontakt – Content-Management-Systeme wie WordPress, soziale Netzwerke wie Twitter oder Vertriebsplattformen wie Salesforce. Die wichtigsten Systeme, die wir On-Domain CMs nutzen, sind jedoch Forum-Software und Community-Plattformen. Sie müssen den Anforderungen der Betreiber genügen, Nutzer glücklich machen und für Anwender leicht zu bedienen sein. Am besten sind sie dann auch noch kostenlos oder günstig 😉 Keine Sorge, die gibt es auch! Doch wie kommt man zu der geeignetsten Forum-Software?

Im ersten Schritt geht es darum, zu identifizieren, welche Art von Plattform gewünscht ist. Dabei müssen sich Betreiber auch zwischen Eigen- und Fremdhosting entscheiden. Im Grunde genommen gibt es vier Klassen von Software – Alles-in-Einem-Lösungen, klassische Foren-Software, Community-Systeme und selbst programmierte Plattformen. Im zweiten Schritt muss ermittelt werden, welche Funktionalitäten die Software braucht. Im dritten Schritt erfolgt die Kontaktaufnahme mit Anbietern beziehungsweise der Kauf, im vierten das Installieren und Konfigurieren der Software.

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Schritt 1: die richtige Software-Lösung für die eigene Community

 

1) Fix und fertig: das Alles-in-einem-Forum für private Communities

Auch für Foren gibt es Baukasten-Systeme. Bei diesen fertigen Foren-Lösungen, zum Beispiel von Xobor, Forumprofi oder Forumieren, muss sich der Betreiber nur einmalig registrieren und kann das Forum dann gemäß seinen Wünschen per Drag and Drop gestalten. Ein eigener Server ist nicht nötig. Die Preise variieren je nach Größe und Aufwand für die Community. Sehr kleine Foren sind oft sogar kostenlos einrichtbar. Diese Lösung ist die bequemste, aber auch die, bei der dem Besitzer nur wenig Verfügungsgewalt und Raum für Designwünsche bleibt. Entwickler können die Ansicht anhand von Stylesheets & Co. noch besser anpassen. Technischer Aufwand entsteht daher außer bei sehr persönlichen Design-Wünschen so gut wie gar nicht. Der Anbieter stellt sicher, dass das Forum gewartet wird und Bugs werden nach Meldung behoben. Laut Auskunft von Xobor sind die Inhalte durch eine Export-Datei auch problemlos auf andere Systeme portierbar. Damit entfällt die Bindung „auf Gedeih und Verderb an einen Anbieter“.

Fazit Diese Lösung ist gut für Privatpersonen mit geringen Ansprüchen, die eine überschaubare Gruppe auf einer externen Seite ohne technischen Aufwand managen möchten.

Beispiel Fußball-Verein, Schule, kleine Alumni-Organisationen

Forum-Software von Xobor

2) Der Foren-Standard: Die externe Software auf dem eigenen Server

Die meistgenutzte Lösung auf dem deutschen Markt ist die externe Forum-Software. Anbieter wie vbulletin, Xenforo, phpBB, MyBB oder WBB stellen ein vollständiges Paket zur Verfügung, das auf dem eigenen Server installiert werden kann. Es beinhaltet gängige Funktionen wie Threads erstellen, auf Threads antworten, Beiträge liken, ein Profil erstellen, Nachrichten versenden, usw. – was man von einem klassischen Forum so kennt. Preislich bewegen sich diese Pakete im Bereich von 100 bis 500 Euro, wobei 200 Euro der Standard ist. Es gibt aber auch Open-Source-Lösungen auf dem Markt, die kostenlos erhältlich sind. Zu jeder Software hat sich ein Entwickler-Zirkel entwickelt, der teils kostenlose, teils kostenpflichtige Plugins zur Erweiterung anbietet. Mit diesen Plugins können die Grundfunktionen ausgebaut und verschönert werden. Selbstverständlich besteht die Option, selbst ein Plugin zu entwickeln und im jeweiligen Shop einzustellen.

Tipp: Wer einen Blog hat und sich zunächst etwas auprobieren möchte, kann WordPress und Joomla mit Foren-Plugins erweitern.

Die Pakete gibt es in verschiedenen Sprachen und in Deutsch sowohl in der „Du“- als auch in der „Sie“-Version.

Interessenten sollten bei der Entscheidung insbesondere auf folgende Punkte achten:

  • Ist die Software kompatibel mit dem Server / System, das benutzt werden soll?
  • Welche Funktionen werden benötigt? Bietet die Software eine besondere Funktion, auf die nicht verzichtet werden kann? Kann ich eine Wunschfunktion durch ein Plugin hinzufügen oder muss ich sie selbst programmieren?
  • Ist das Design ansprechend? Kann es individuell angepasst werden?
  • Gibt es ein Handbuch oder Anleitungen, die bei der Installation und Wartung behilflich sein können?
  • Kann der Anbieter bei Problemen kontaktiert werden? Gibt es eine Hotline oder E-Mail-Support? Ein Hilfsforum?

Ist das Paket heruntergeladen, muss es installiert und konfiguriert werden. Dazu gehören sämtliche Anpassungen aus Design-Sicht. Sobald die erste Version steht, sollte sie intensiv durchgetestet werden, um eventuell auftretende Bugs zu beheben.

Viele Aspekte können nach der Erstinstallation auch ohne Programmierkenntnisse im Backend verändert werden. Wer sich also vor der technischen Pflege scheut, kann sie an einen Service-Dienstleister auslagern und kleine Änderungen selbst vornehmen. Dazu gehört unter anderem die Anordnung der Unterforen und Menüpunkte.

Fazit Eine Lösung für alle mit technischem Grund-Know-How, die die Struktur nicht selbst programmieren können oder wollen.

Beispiele faq4mobiles, Versicherungtalk

Forum-Software von Woltlab

3) Lässt bei Unternehmen keine Wünsche offen: Modul-Software von einem Dienstleister

In den letzten Jahren haben sich viele Kundenservice-Foren etabliert, die ebenfalls nach einer Art „Baukastenprinzip“ funktionieren, so zum Beispiel Allianz hilft oder Telekom hilft. Auch neue Communities wie die Douglas Beauty Community oder die Conrad Community haben diese Struktur. Sie sind von verschiedenen Anbietern, verfügen aber über die gleichen Bedienfunktionen, das gleiche Design und den gleichen Aufbau. Kurzum: Sie sind Struktur-Zwillinge. Hier handelt es sich um Anbieter, die eine standardisierte und modulierte Software anbieten. Sie sind hauptsächlich für Firmenkunden attraktiv, da alle Funktionen dynamisch und responsiv sind. Nutzer werden automatisch weitergeleitet, die Registrierung beziehungsweise Anmeldung hat wenige Hürden. Auch bisher wenig vorkommende Angebote wie Tutorials oder eigene Video-Player können mit dieser Art von Software nahtlos integriert werden. Standardlösungen mit individualisiertem Touch offeriert zum Beispiel die Münchner Firmen Voycer, brandslisten, Lithium und Innosabi.

Diese Art von Software wird auch als Enterprise Software, Customer Engagement Platform oder Community Feedback Platform bezeichnet. Ein klassisches Beispiel ist Salesforce.

In meiner Recherche habe ich auch Plattformen gefunden, die Fremdhosting anbieten. Deutsche Unternehmen sollten bei solchen Angeboten vorsichtig sein. Denn die Daten der Nutzer werden oft auf US-amerikanischen Servern gespeichert. Interne Communities oder Innovationscommunities zum Beispiel haben hohe Datenschutzbedürfnisse. Mein Tipp: Communities als Unternehmen immer selbst hosten! Der zusätzliche Vorteil: Features lassen sich jederzeit individuell anpassen.

Interessenten sollten bei der Entscheidung insbesondere auf folgende Punkte achten:

  • Wie individuell kann die Lösung gestaltet werden?
  • Fügt sich das Design gut in die bestehende Webseite ein?
  • Wir die technische Pflege von dem Anbieter übernommen oder muss die Firma das selbst machen?
  • Wie kann der Anbieter sicherstellen, dass keine Verwechslungsgefahr mit anderen Foren besteht (zum Beispiel aufgrund des Designs oder einer Formulierung)?
  • Wie hoch ist die Anfangsinvestition, wie hoch die laufenden Kosten?
  • Kann die Lösung erweitert werden, zum Beispiel bei Wunsch nach einer neuen Funktion?

Fazit Das Standardwerk für Firmenkunden, die eine pragmatische und individuell angehauchte Lösung suchen, ohne selbst nur wenig oder nicht zu programmieren.

Forum-Software von Brandslisten

4) Großer Aufwand, hoher Ertrag: eine Community selbst programmieren

Die beste, aber umfangreichste Lösung ist das Programmieren der eigenen Community. Große Plattformen wie gutefrage.net beweisen, dass es möglich ist. Ein Team von 2-3 Developern ist aber zu Anfang mindestens nötig. Und es darf nicht unterschätzt werden, dass bei einem solchen „Knäuel“ wie einer Community der eigene Code immer nur einen Anfang darstellen kann. Denn bei einer eigenen Grundlage kann und sollte anders verändert werden, als man es bei einer fertigen Software tun würde. Kernstück einer erfolgreichen Seite ist von Anfang an sauberer und leicht anwendbarer Code, der auf die lange Sicht nicht ständig gepflegt und „entwirrt“ werden muss. Da ein selbst erstelltes System auch noch nicht von einer großen Nutzerschaft auf Herz und Nieren getestet wurde, sind Bugs in der Anfangszeit nicht unwahrscheinlich.

Im besten Fall kann für das Programmieren der Community ein eigens dafür abgestelltes Experten-Team gebildet werden. Folgende Punkte sollten im Vorfeld abgeklärt werden:

  • Anzahl, Kompetenz und Aufgaben der Team-Mitglieder
  • Größe und Umfang des Projekts: Funktionen, Größe der späteren Nutzerschaft, Struktur der Unterseiten
  • Design und User Experience
  • Zusatzfunktionen wie Zahlungsabwicklung, Blogs oder Shops

 

Gibt es eine Liste von Anbietern von Forum-Software?

Es gibt ein paar Kataloge, die die besten Anbieter von Foren-Software auflisten und bewerten. Die beste Liste, die ich gefunden habe, ist das E-Book von CMXhub. Der „CMX Guide to Community Platforms“ hat eine umfangreiche Übersicht, ist aber, wie zu erwarten ist, auf die USA ausgerichtet. Gerade in Deutschland gibt es doch so einige Anbieter, die kostengünstige und umfangreiche Forensysteme anbieten.

An der Recherche führt aber kein Weg vorbei! Manche Systeme werden eingestellt, andere sind gerade frisch auf dem Markt. Mit den richtigen Stichworten kommen Forenbetreiber schnell zu den richtigen Angeboten.

 

Schritt 2: Welche Funktionen braucht mein Forum?

Jede Community ist einzigartig. Der zukünftige Betreiber sollte zunächst über das Ziel der Community nachdenken. Noch besser ist es, sich von Anfang an Gedanken über die Monetarisierung beziehunsgweise den ROI der Community zu machen. Kommen zu diesem Mix Überlegungen zu Nutzerbedürfnissen, UX  und Programmierung hinzu, zeigen sich recht schnell die Anforderungen. Im Nachhinein lassen sich Funktionen nur schwer ändern. Je detaillierter die Spezifikation ist, desto einfacher wird es für Produktmanagement und Community Management.

Anbieter von Foren-Software listen Funktionen und Preise oft auf ihren Websites auf. Das ermöglicht einen ersten groben Vergleich. Ergänzend oder alternativ haben viele eine Vertriebsabteilung, an die man sich wenden kann.

Meine Tipps:

  • Projektleiter sollten immer Kundenservice und/oder Community Management in die Entscheidung einbeziehen! „Frontkämpfer“ haben ein einzigartiges Gespür für das, was funktionieren könnte.
  • Wenn möglich, sollte sie Plattform so früh und so oft wie möglich getestet werden.
  • Nicht das erstbeste Angebot nehmen! Auch wenn sich etwas gut anhört, sollten immer alle gehört werden.
  • Ist das Forum geschlossen oder offen? Das wirkt sich auf Monitoring und SEO aus. Die Software muss das berücksichtigen.

 

Schritt 3 & 4: Verhandlungsgeschick und gute IT

Am Ende der Reise braucht es ein wenig Verhandlungskunst, um einen guten Preis herauszuschlagen, und vor allem gut ausgebildete ITler. Nur wenige IT-Spezialisten kennen sich wirklich gut mit Forensystemen aus. Die Einarbeitung geht aber vergleichsweise einfach. Kleine Forensysteme lassen sich innerhalb weniger Stunden aufsetzen und innerhalb weniger Tage individualisieren. Modul-Systeme werden in Absprache mit dem Anbieter aufgesetzt, bei Eigenprogrammierung kann es Monate dauern.

Mein persönliches Fazit

Bei mir waren es bisher zweimal selbst programmierte (bei InterNations und gutefrage.net) sowie eine klassische Forensoftware (WBB bei Finanztip). Die eigene Lösung ist mit Abstand die komfortabelste. Features lassen sich einfach anpassen und mit der eigenen Community schnell testen. Der große Nachteil: Änderungen brauchen lange, weil sie viele Schleifen und Abteilungen durchlaufen, bevor sie live gehen. Das klassische Forum war für mich immer kompliziert in der Bedienung. Auch wenn ich froh war, dass ich viele ohne Techniker umsetzen konnte, hatte es doch immer wieder mal Bugs oder Probleme. Zudem ist das System auch nicht dynamisch und damit benutzerunfreundlich. Es bestehen nur wenige automatische Weiterleitungen, und Funktionen sind kaum individualisierbar.

Unternehmen rate ich deswegen uneingeschränkt zu Modul-Lösungen. Wer mit einem Forum nebenher Geld verdienen will, für den sind Forensysteme absolut ausreichend.

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