Karriere im Community Management: Wunschdenken?

Wenn wir uns die Landkarte des On-Domain Community Managements in der DACH-Region anschauen, sehen wir eine bunte und vielfältige Mischung von Plattformen, Strukturen und Themen. In fast jedem Bereich des Online-Geschäfts hat das Community Management Fuß gefasst. Stellen für CMs waren zwischenzeitlich schwer zu finden, erleben aber seit zwei bis drei Jahren ein kleines Revival. Bisher sorgte vor allem das Digital Business in den USA für Aufschwung, nun kommt die Welle auch hier an.

In den wenigsten Stellenausschreibungen wird nach einem Senior, einem Team Lead oder gar einem Head of bzw. Director gesucht. Wie kommt das? Gut, die Luft oben ist immer dünner als an der Basis. Es kann gar nicht so viele Chef-Stellen geben wie „normale“ Positionen. Allein daran lässt es sich aber nicht festmachen. Hätte ich es selbst nicht mehrfach erlebt, ich hätte es nicht geglaubt. Das ODCM hat ein Problem. Ein Aufstiegsproblem.

Wer etwas aus sich machen möchte, kann nicht Community Manager bleiben. Ein Paradoxon? Nein. Etwas, das schon die wunderbare Alexandra Dao hier beobachtet und beschrieben hat. Worum geht es genau?

Normalerweise steigt man als Junior oder Associate in das Geschäft ein. Man verdient sich ein bis zwei Jahre lang seine ersten Sporen, probiert sich aus und lernt den Job kennen. Als, sagen wir, regulärer Marketing Manager entwickelt man in den nächsten Jahren seinen Schwerpunkt und sein Portfolio. Dieses wird mit der Position Senior Marketing Manager gekrönt. Wer exzellente Ergebnisse liefert und/oder als guter Fit empfunden wird, steigt zum Team Lead und schließlich zu weiteren Positionen auf. Experten in den oberen Rängen rekrutieren sich aus der breiten Masse und werden nicht selten firmenintern ge- und befördert.

Im Community Management konnte ich in den letzten Jahren beobachten, dass mehr und mehr Positionen an der Spitze eben nicht so besetzt werden. Da wird ein Marketer rekrutiert, oder ein Supportler mit Führungserfahrung. Nur wenige Positionen wurden intern gefüllt und das eher aus Mangel an anderen guten Kandidaten. Das macht mich wütend. Wie kann es sein, dass in dieser Branche, die so unglaublich kleinteilig und spezialisiert ist, Fachkräfte von außen kommen müssen? Ich sage nicht, dass diese einen schlechten Job machen. Jeder kann sich einarbeiten, wenn die nötige Motivation und das Talent vorhanden ist. Aber es verwundert doch.

Nachdem ich mir einige Zeit darüber den Kopf zerbrochen hatte, konnte ich es an diesen Punkten festmachen:

– fehlende oder nicht wahrgenommene Zahlenkompetenz – nur wenige CMs werden als zahlenaffin eingestuft

– Talentportfolio wäre an der Spitze „verschwendet“ – Geschäftsleitungen glauben oft nicht, dass Leute mit hoher Empathie führen können

– Business Sense wird nicht gut kommuniziert – als Advokaten der Community werden CMs oft als kontraproduktiv in geschäftswichtigen Entscheidungen wahrgenommen

– fehlende interne Weiterbildungen – viele Abteilungen werden ostentativ gefördert, CMs „brauchen das nicht“

– Gleichsetzung von CM, Marketing, Kommunikation und Support – Nuancen und Unterschiede sind nicht greifbar

– Karriereförderungsmaßnahmen erreicht CMs, aber nicht Entscheider – Initiativen wie CMXhub oder BVCM sprechen uns an, nicht Chefs

– keine einheitliche Identität – wer Marketer ist, ist relativ klar. Was ist mit CMs?

Das mag sich jetzt alles ein bisschen wie „der Chef ist schuld“ anhören. Das ist nicht meine Intention. Teil des Problems stellt sicherlich der fehlende Biss vieler CMs dar. Wir müssen, noch wesentlich mehr als jetzt, deutlich machen, welchen Unterschied unsere Arbeit erzielt. Wie ist das zu tun?

Meine Forderungen an die Community und Geschäftsleitungen:
  • Bildet uns in Analyse und Werkzeugen aus! Wir sind neugierig und möchten dazulernen. Setzt uns nicht gleich aus Abstellgleis, sondern erhört unsere Forderungen nach Input von Kollegen, interner und externer Weiterbildung.
  • Erkennt Empathie und Kommunikationsgeschick als Bestandteil guter Führung an! Wenn mein Chef mir bei solchen Sachen nicht helfen kann, an wen soll ich mich sonst wenden?
  • Werdet laut und deutlich! Tut gutes und redet darüber. Damit zeigt ihr das auf, was sich in den Zahlen womöglich nicht widerspiegelt.
  • Definiert realistische Ziele in Zusammenarbeit mit uns! Wie viele Mitglieder wollen wir haben? Wie viele Beiträge, wie viele Aktionen? Messt uns auch daran. Wenn wir wissen, wo wir hingehen, können wir besser arbeiten.
  • Lasst Community in der Führung mitreden, wenn sie signifikanter Bestandteil ist! CMs wissen am besten, was der Community guttut und können das – auch in Form eines reinen Berichts – in Zahlen und Schilderungen widerspiegeln.
  • Habt keine Scheu davor, Mitglieder einzubeziehen – Forderungsmanagement können wir CMs aus dem FF! Community respektiert Transparenz und Beteiligung.
  • Entwickelt Geschäftssinn! Bei aller Liebe zu Community müssen wir daran denken, dass zugunsten von Wachstum und Umsatz auch mal harte Entscheidungen getroffen werden müssen.
  • Nehmt CMs in Fachmedien auf! Personalienänderungen sollten auch auf kress zu lesen sein.

 

Der Weg von Fachwissen am unteren Ende zu Fachwissen an der Spitze ist klar – jetzt muss er nur noch gegangen werden. Was denkt ihr darüber?

 

Mehr Rant gefällig? Dann lies doch mal meinen Post zum Community Manager Gehalt.

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