Auf dem Weg zum Community-Ass: Die kleine Filmschule

Als Geisteswissenschaftlerin beziehungsweise Teilzeit-BWLerin und mittlerweile passionierte Community Managerin bin ich als Kommunikatorin top. Entscheidend ist neben diesem Sprach- und Einfühlungsvermögen allerdings auch das Handwerkszeug! Daher bin ich auf der Mission, meine Multimedia-Kenntnisse auszubauen und auf ein Expertenniveau zu heben. Im März habe ich dazu schon einen Videoschnitt-Kurs besucht. Nun war die „kleine Filmschule“ dran  und ja, die heißt wirklich so!

Kleine Filmschule, VHS Berlin City West

Der Kursleiter zeigte uns im Videoschnittprogramm, welche Wirkung unsere Aufnahmen auf den Zuschauer haben.

Am ersten Tag ging es zunächst um die Grundlagen: Wir lernten, mit welchen Fachausdrücken welche Aufnahmeeinstellungen gemeint sind und warum beim Film die Würz in der Kürze ging. Neulinge tendieren dazu, mehr zu filmen als eigentlich nötig ist. Auch wenn es nicht schaden kann, mehr Material zum Schneiden zu haben, müssen sich Filmemacher darüber im Klaren sein, dass jeder Shot eine neue Information enthalten sollte. Ein Hilfskonstrukt ist die Perspektive des Beobachters. Wie würde ein Mensch diese Situations sehen?

Im zweiten Theorie zeigte uns der Kursleiter, wie die Kamera funktioniert und bedient wird. Leider gibt es bei mehr als einer Handvoll Teilnehmer immer wieder Gedränge, so dass ich mich gar nicht richtig darauf einlassen konnte. Ganz ohne Erläuterung hätten wir den Praxisteil am Nachmittag jedoch nicht umsetzen können. Als erste Aufgabe sollten wir zwei Szenen mit einer Abfolge von Einstellungen drehen. Unsere erste „Story“ erzählt den Diebstahl des Handys aus der Jackentasche im Museum. Der Twist am Ende: Die Besucherin merkt es, dreht sich um und die Diebin tut so, als hätte sie das Handy freundlicherweise vom Boden aufgehoben. Im zweiten Clip sitzen zwei junge Frauen im Wartebereich, nehmen sich erst gar nicht wahr und realisieren dann, dass sie beide berühmt sind und sich kennen (einen Ausschnitt sieht man oben im Bild). Als zweite Aufgabe sollten wir weg vom Schnitt kommen und stattdessen der Haupthandlung mit der Kamera folgen. Der Kursleiter betonte, dass ein guter Film immer aus einer Mischung von beiden Techniken besteht. In den Szenen schilderten wir sowohl die Besetzung eines eigentlich belegten Stuhls als auch die Überraschung, die eine junge Frau erlebt, wenn Männlein und Weiblein aus der falschen Toilette kommen!

Zwar hatte ich in der Grundschule mal in der Theater-AG mitgemacht, aber das Agieren vor der Kamera empfand ich doch irgendwie als ungewohntes Terrain. Ein bisschen Überwindung hat das gekostet. Das Handling der Kamera fand ich schwierig, aber nicht unlösbar. Interessanterweise habe ich schon so vielen VJs zugeschaut, dass ich das Gefühl hatte, einfach nur die Bewegungen kopieren zu müssen.

Am zweiten Tag beschäftigten wir uns mit Licht und Ton. Wie müssen Lichtquellen verteilt werden? Wie viele Tonspuren braucht ein guter Film? Auf was sollte man bei der Aufnahme achten, damit es beim Schnitt einfach geht? Als Praxisaufgabe haben wir dann ein Interview in Szene gesetzt – samt persönlich angepasster Ausleuchtung – und Kameraeinstellungen für einen Dialog geübt.

Alles in allem fand ich den Kurs informativ und vom Tempo her absolut angemessen. Der große Nachteil war, dass wir Teilnehmer immer erst etwas produzieren mussten und dann erst schneiden konnten. Das führte dazu, dass für Kleingruppen längere Pausen entstanden. Persönlich fand ich darüber hinaus die Lehrmethode des Kursleiters ungünstig. Er fragte uns sehr oft, was der Grund für eine bestimmte Sache sei. Solches „Vorfühlen“ ist bei absoluten Beginnern nicht wirklich sinvoll – dazu fehlen uns Überlegungsgrundlagen. Für die rund 50 Euro, die ich gezahlt habe, kann man aber wirklich nicht meckern. Es ist schade, dass ich keine anständige Kamera zum Weiterübern habe. Aber was nicht ist, kann ja noch werden!

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