Vorgestellt: Steffen Slacki – Community Management im Gaming

Dein Name steht „in der Szene“ für Community Management im Gaming. Wie bist du dazu gekommen, DER Gaming-CM zu sein?

Ein essenzieller Teil im Community Management ist das Netzwerken. Nicht nur im Kontakt mit Kunden des Produkts, für das man eingesetzt ist, sondern auch im Unternehmen selbst und darüber hinaus in der Branche. Mein Einstieg ins Community Management begann damit, dass ich bereits erfahrene Community Manager über Xing kontaktiert habe um Fragen zum Beruf zu stellen. Von einigen der daraus resultierenden Kontakte habe ich gelernt. Einer davon stellte mich sogar ein und war fortan für drei Jahre mein Abteilungsleiter.

Bei nahezu jedem Branchenevent in Hamburg (und manchmal darüber hinaus) trifft man mich an. Ich bin gut vernetzt und pflege meine Kontakte zu großen Unternehmen, Publishern und Indie Game Entwicklern bis heute. Nicht zuletzt, weil viele Gaming Community Manager das Netzwerken in der Branche vernachlässigen, bin regelmäßig ich der Erste, der jemandem in den Sinn kommt, wenn man an Community Management für Videospiele denkt.

On-Domain Community Management ist ein breites Feld, Gaming eine der größten Untergruppierungen. Trotzdem nimmt man von deren Repräsentanten kaum etwas in der Fachwelt wahr. Woran liegt das?

Ich kann nur vermuten, dass man sich Sorgen macht, die Arbeit mit Videospielen und Videospielern würde belächelt und nicht ernst genommen und man könnte als Gaming-CM keinen Mehrwert in der Fachwelt bieten. Das kann ich aber nicht bestätigen. Im Gegenteil: Videospieler sind eine der mit Abstand emotionalsten und engagiertesten Communities, die es gibt. Von Gaming-CMs kann man einiges lernen.

Wie muss ich mir den Alltag eines Gaming-CMs vorstellen? Welche speziellen Themen begegnen euch, was sind Herausforderungen?

Die Arbeit eines Community Managers kann von Unternehmen zu Unternehmen, sogar von Produkt zu Produkt, unterschiedlich sein. Das weißt du bestimmt auch aus eigener Hand.

Eine der größten Herausforderungen eines Gaming-CMs ist das Zeigen von besonders ausgeprägter Empathie und ein tiefes Verständnis für Emotionen. Oft kochen mehr oder weniger triviale Themen hoch und müssen behutsam beantwortet werden. Viele Videospieler, vor allem im Free2Play Bereich, setzen Geld für Vorteile im Spiel ein – auch regelmäßig und in hohen Summen. Dadurch kommen schon bei den kleinsten Änderungen am Spielsystem Verlustängste auf, die nicht selten in Wut enden. Hier müssen Hintergründe verständlich und empathisch vermittelt werden, um die Sorgen des Spielers aus der Welt zu räumen.

Als Gaming-CM ist es außerdem deine Aufgabe, die Community zu verstehen. Gerade bei Videospielen kommt es häufig vor, dass Spieler abweichendes Spielverhalten vom geplanten Design, eigene Sprache und Ausdrücke, sowie neue Taktiken für das Spiel entwickeln, die vom Entwicklerteam ursprünglich nicht so vorgesehen waren. In einem solchen Fall ist der Community Manager oft der Einzige, der zwischen Spielern und Entwicklern vermitteln kann.

Eine letzte Herausforderung, die ich eher für mich selbst sehe, ist, das Hervorheben von engagierten Spielern und Community Mitgliedern. Als Community Manager ist man oft DER Ansprechpartner, bei Videospielern oft hoch angesehen, Gott, Admin, wertvoller Freund. Ich versuche in meiner Arbeit aber eher davon weg zu kommen und die eigentlichen versteckten Helden des Spiels hervorzuheben: engagierte, hilfsbereite und loyale Spieler. Das zeigt den Spielern auch, dass ich sie (stellvertretend für meinen Arbeitgeber) wertschätze. Außerdem wirkt es sich positiv auf mein Privatleben und meine Freizeit aus, wenn ich nicht immer der erste Ansprechpartner bin, wenn jemand eine Frage zum Spiel hat.

Danke für diese Beschreibung, Steffen! Wie wird sowas am besten in der Ausbildung von Nachwuchs weitergegeben? 

Es gibt meines Wissens nach keine andere Option als von Veteranen zu lernen. Für die Basics im Community Management gibt es Bücher, in Zukunft vielleicht sogar Lehrgänge. Die Arbeit mit einer solch überaus emotionalen und gut vernetzten Gemeinschaft kann man aber nur praktisch lernen.

Ich würde mir wünschen, dass mehr Gaming Community Manager bereit wären, zu netzwerken, sich mit Berufskollegen auszutauschen und Tipps und Tricks zu teilen. Das scheitert oft an Konkurrenzdenken zwischen CMs unterschiedlicher Unternehmen. Ich hoffe aber, dass diese Hürde in Zukunft abgebaut wird. Es profitieren am Ende alle unsere Kunden davon – letztendlich auch unser Arbeitgeber und wir selbst.

Was macht dir am meisten Spaß im Gaming-CM? Was motiviert dich?

Videospiele sind interaktiv und immersiv. Das spiegelt sich auch in der Community wieder. Es ist etwas Besonderes sich Tag für Tag mit solch engagierten Leuten zu umgeben, die selbstständig gigantische Projekte rund um das eigene Produkt etablieren, spannenden User-Generated-Content kreieren und sich so stark mit dem Spiel identifizieren. Eine emotionale Gemeinschaft, die oft Fluch und Segen zugleich sein können. Das unterscheidet uns von anderen Branchen und Produkten.

Was war dein bisher größter persönlicher Erfolg als Community Manager?

Nach der Entwicklung und Implementierung einer verständlichen und messbaren Community-Strategie verbesserte sich sichtbar die Performance und die Handlungssicherheit meines Teams aus freiwilligen Moderatoren und Kundenservice-Agents. Das verschaffte meinem Team ein höheres Ansehen bei Stakeholdern und führte letztendlich zu mehr genehmigten Ressourcen, die wir in unserer täglichen Arbeit einsetzen konnten, um die Community-Arbeit zu verbessern.

Wie sieht die Szene aktuell aus? Werden im Moment Community Manager gesucht?

Die Spielebranche ist nach wie vor stets auf der Suche nach motivierten Community Managern. Bedingt durch den starken Einsatz von Marketing wachsen die Spielerzahlen für neue Spiele binnen kürzester Zeit rasant an.

Unter den Stellenausschreibungen der letzten Monate finden sich auch immer öfter Senior- und Expert-Level Stellen, was mich persönlich freut. Es war lange Zeit ein Problem großer Entwicklerhäuser, dass erfahrenes Personal fehlt, die Stellen dazu aber auch nicht ausgeschrieben wurden. Es wurde Zeit, dass sich das ändert.

Vor allem in den Großstädten Berlin, Hamburg und München gründen sich in den letzten Jahren einige kleine Studios, meist aus den Universitäten heraus. Bei kleinen Studios ist die Wahrscheinlichkeit einer Festanstellung als Community Manager eher gering. Hier können jedoch CM-Freelancer gut ansetzen.

Wie siehst du die Zukunft für Community Management im Bereich Gaming? Wo geht die Reise hin?

Ich sehe starke Entwicklungen in Richtung Influencer-Management und Influencer-Marketing, so wie in vielen anderen Branchen auch. Bei uns sind es nur weniger Instagrammer oder Blogger, dafür mehr Video Content Creator (zum Beispiel auf YouTube) und Live Streamer (zum Beispiel auf Twitch).

Außerdem, und das ist zeitgleich meine liebste (aber auch nicht ganz ungefährliche) Entwicklung in diesem Bereich, wird wieder öfter versucht, die Spielwelt in die reale Welt zu übertragen. Im besten Fall übernehmen Videospieler wertvolle persönliche und menschliche Werte aus der Spielwelt in die echte Welt, wie etwa Teamwork und Respekt, und verbessern so ihre eigenen Soft-Skills. Ich wünsche mir hier in Zukunft mehr Unterstützung, zum Beispiel für Cosplayer, die einen maßgeblichen Teil dazu beitragen, dass die Spielwelt einen Teil greifbarer und realer wird.

Die Gefahren dabei möchte ich aber nicht außen vor lassen: Das Produkt sollte entsprechende Werte auch vermitteln. Es steht außer Frage, dass es auch Spiele gibt, die wahnsinnig unterhaltend sein können, zugleich aber keine guten Werte für unsere Gesellschaft vermitteln. Hier sollte der Community Manager entscheiden, ob das Brechen der Barriere zwischen Spiel- und realer Welt das richtige Mittel ist.

Welche Ratschläge würdest du einer Community Managerin für ihre ersten Wochen mitgeben?

Sei aufmerksam im Umgang mit deinen Spielern und mit deinen Kollegen. Behalte die Ziele des Unternehmens, deinen Kunden und dir selbst im Auge und versuche sie in Einklang zu bringen. Besorg dir ein großes Notizbuch oder lege dir ein eigenes internes Wiki an. Oft kann man gute Ideen nicht sofort umsetzen. Das heißt aber nicht, dass man sie nicht notieren und Monate oder gar Jahre später wieder ausgraben kann. Das mache ich so und es funktioniert fabelhaft. 😊

Vielen Dank, Steffen, für diesen Einblick!

 

Steffen Slacki

Steffen Slacki

Steffen Slacki beschäftigt sich seit 7 Jahren beruflich und privat mit Community Management für Videospiele. Er ist überzeugter Fan von Community Strategien und liebt den Austausch mit anderen Community Managern. Zum Zeitpunkt des Interviews unterstützt er die RetroBrain R&D UG in Hamburg bei der Entwicklung und Auswertung von Feedbackkanälen zwischen dem Unternehmen und der Zielgruppe 50+.

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