Eine Unternehmensseite auf Wikipedia erstellen

„Das schaffst du nie!“. „Das ist nicht realistisch.“ „Als Unternehmen? Selbst?“. Das waren nur einige der Reaktionen, die ich bekam, als ich von einem ganz besonderen Vorhaben erzählte. Es ging darum, eine Wikipedia-Seite für unser Unternehmen zu erstellen. Bevor ich mich mit der Funktionsweise von Wikipedia auskannte, hätte ich ebenso reagiert. Warum ist es so schwer, ein Unternehmen dort zu platzieren und für wen macht das überhaupt Sinn?

Wie Wikipedia funktioniert

Wikipedia ist eine globale Enzyklopädie in verschiedenen Sprachen, an der JEDER mitarbeiten kann. Grundsätzlich ist der Gedanke der Teilhabe eine gute Idee. Warum nur wenige Experten oder Wissenschaftler beschäftigen, wenn man das Wissen eines großen Kollektivs abfragen kann? Was ich nicht weiß, das weiß mein Nachbar. Leider ist das Netz aber keine verstoßfreie Zone. Es gibt Spammer, Belästiger, Verbrecher. Deswegen existieren in der Wikipedia verschiedene Kontrollmechanismen, um die Qualität der Texte zu gewährleisten. (Anmerkung: Ein Link von Wikipedia ist seeeeehr viel wert, es lohnt sich also, dort präsent zu sein). Editiert jemand einen Text, wird die IP-Adresse des Autors gespeichert. Diese Adresse kann man mittlerweile problemlos wechseln, ist aber nichtsdestotrotz ein wichtiger Indikator. Im zweiten Schritt überprüft ein Moderator den geänderten Text, den Link oder die Quelle, und schaltet die Änderung frei, wenn sie genuin und mit ausreichenden Quellen hinterlegt ist. Zusätzlich gibt es ein Support-Team, das zum Beispiel Anfragen nach der Verifizierung eines Accounts beantwortet. Einen Account kann man verifizieren lassen, wenn aus der E-Mail-Adresse hervorgeht, um wen es sich handelt.

Also kontaktiere ich einfach einen Moderator, richtig?

Nein. Wikipedia-Moderatoren sind die Wächter der Plattform. Die Idee, dass man einem von ihnen nur gut zusprechen muss, ist absurd. So funktioniert es nicht im echten Leben, und sicherlich nicht in der Wikipedia. Wenn man mit einem Account sehr aktiv ist, werden sich Beziehungen zu Moderatoren natürlich ergeben. Und mit sehr aktiv ist gemeint, dass man in einem guten Teil der Freizeit zu verschiedenen Artikeln beiträgt. Dabei ist der Kontoinhaber genauso den Regeln unterworfen wie jeder andere Teilnehmer und Moderator. Jeder Eintrag, der „reingeschmuggelt“ wird, würde nach kürzester Zeit durch das Moderatorenkollektiv wieder entfernt werden.

Keine Wikipedia-Unternehmensseite ohne Pressearbeit

Das heißt nicht, dass Unternehmen gar keine Chance haben, eine Seite in der Wikipdia zu bekommen. Im Gegenteil! Aber wie in allen „sozialen“ Medien gilt, dass der Eintrag Relevanz haben muss. Diese Relevanz wird dadurch gemessen, dass das Unternehmen

  • bekannt ist und eine gewisse Reichweite hat
  • signifikante Beiträge zu Gesellschaft, Politik, Kultur geleistet hat
  • historische Bedeutung hat
  • aktuelle und/oder langfristige Präsenz in den Medien hat

Der wichtigste Punkt ist der letzte. Je größer das Medienecho, desto höher ist die Chance auf Relevanz. Bei Finanztip war es letztendlich nicht schwer, die Community zu überzeugen: Mehrere Medien hatten über die GmbH, den Chefredakteur und die Erfolge berichtet. Darüber hinaus wird Finanztip täglich in verschiedensten Medien – Print, Hörfunk & Web – genannt, hatte einige prominente Zugänge beim Personal und konnte mit Nennungen bei sehr bekannten Medien punkten. Bevor ich die Seite einreichte, habe ich daher den Text ausreichend mit den entsprechenden Quellen bestückt. Das Ergebnis könnt ihr auf der Finanztip-Seite auf Wikipedia nachlesen.

Ohne gute PR-Arbeit und Nennungen in der Presse geht es kaum. Berichte von bekannten Medienhäusern strahlen Vertrauenswürdigkeit aus und zeigen, dass es wert ist, über die Firma zu schreiben. Die Investition in die PR-Abteilung lohnt sich also nicht nur in einer Hinsicht.

Neutralität ist das oberste Gebot

Es gibt positive Berichte? Super! Dann sollten sie unbedingt in den Eintrag. Es gibt kritische oder negative Berichterstattung? Auch die gehört hinein! Wenn sich das Unternehmen nicht der Kritik stellen will, macht der Wikipedia-Eintrag keinen Sinn. Darauf muss man vorbereitet sein. Folglich ist es am besten, gleich von Anfang an mit offenen Karten zu spielen und kritische Punkte selbst anzusprechen. „Marketing-Texte“, die schmeicheln und übertrieben positiv formuliert sind, werden gelöscht werden. Wenn das intern nicht gelingt, kann ein Externer den Text verfassen.

Fazit: Kaum ein Startup wird es rechtfertigen können, von Anfang an auf Wikipedia vertreten zu sein. Aber mit einer breiten Medienpräsenz und konstant steigender Relevanz ist der Eintrag zumindest nicht mehr unrealistisch.

Ihr habt Fragen zum Prozess oder braucht genuines Wikipedia-Coaching? Dann meldet euch bei mir unter auf einem meiner Social Media-Präsenzen!

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